Orquesta de barro Peru Peru, Trujillo   

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Freya, 21 Februar 2010
Peru Peru , Trujillo 25°

Die Zeit bis Weihnachten...

Lang, lang ist’s her...

dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Ja, ich weiß, viel zu lange, aber es ist auch wirklich schwierig zwischen all den Unterrichtstunden, Orchester und Quartettproben, Freunden und WG-Alltag Zeit für den Computer abzuzweigen.
Wie ich gerade feststellen musste, hat mein letzter Bericht auch bereits irgendwo Mitte November geendet und eigentlich gibt es noch eine ganze Menge von dem zu berichten, was noch vor (!) Weihnachten passiert ist, weil hier einfach jede Woche voller Ereignisse steckt.


Oh wie schön ist Panama

Ende November war der Geburtstag von Edwin (wir haben hier im Schnitt einmal die Woche einen Geburtstag irgendeines Orchestermitglieds) und aus diesem Grund haben die anderen Freiwilligen und ich eine kleine deutsch-angehaucht Überraschungsparty am Strand organisiert. Edwin ist unser erster Fagottist, Klarinetten und Saxofonlehrer und leitet außerdem noch einige Musikprojekte in Huanchaco und jetzt auch Chimbote. Eigentlich ist er auch einer von uns, denn er ist hier in Peru fast genauso fremd wie wir, da er aus dem Land kommt, wo es überall nach Bananen riecht und es laut Janosch so wunderschön sein soll. Genau, Edwin kommt aus Panama und lebt seit einem Jahr hier in Trujillo um am Konservatorium Musik zu studieren, durch den ein oder anderen Zufall hat er von seinem ursprünglichem Instrument, der Klarinette auf Fagott gewechselt und ist zu uns nach Arpegio an die Musikschule gekommen. Da er genau wie wir fast seine gesamte Zeit in Arpegio verbringt und hier in Trujillo weder Familie noch Verwandte hat, hatten wir beschlossen ihm eine Überraschungsgeburtstagsparty am Strand zu organisieren.
Aus diesem Grund haben wir ausnahmsweise einmal geschlossen bei der Samstagsmorgenprobe gefehlt um Kartoffel-und Nudelsalate vorzubereiten und alle Utensilien einzupacken, die man für ein Picknick am Strand eben so braucht. Nach der Probe ging es dann mit ca. 20 Leuten aus der Academia zum Strand von Huanchaco um zu feiern und typisch deutsches Kindergeburtstagsessen zu probieren. Wider erwarten hat es sogar allen sehr gut geschmeckt und nach dem Essen wurde dann erstmal eine runde Strandfußball gespielt, außerdem haben sich einige andere Waghalsige Musiker mit uns in die Wellen gestürzt und schließlich haben wir alle noch einige Spiele gespielt. Irgendwie haben wir dabei gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist und plötzlich ging dann auch schon die Sonne unter. Oh, wie schön ist doch unser Peru!


In den Bergen von Simbal

Etwas später, ich erinnere es nicht mehr so ganz genau, aber ich glaube es war auch noch im November beschlossen wir Freiwillige einen Ausflug mit unserer Kommunikationsbeauftragten und Guter Seele (ich glaube ich hatte sie schon einige Male erwähnt) Giulianna zu machen. Unser Ziel sollte Simbal sein, ein kleines Dorf in den Bergen, das ca. eine halbe Stunde von Trujillo entfernt liegt. Giulianna arbeitet „hauptberuflich“ eigentlich bei einer anderen Nichtregierungsorganisation und in unserer Academia nur halbtags.
Ganz genau weiß ich zwar nicht, was diese Organisation macht, aber unter anderem unterstützt sie gemeinnützige Projekte, wie zum Beispiel eines zur Verbesserung der politischen Bildung der Schüler von Simbal.
Durch die Mitarbeit in diesem Projekt und zahlreichen Exkursionen nach Simbal hat sie zwei Mädchen kennengelernt, die uns an jenem Tag Simbal und einen der Berge in der Umgebung zeigen wollten. Schon auf dem Weg in einem dieser klapprigen VW-Busse merkten wir, wie die Gegend immer ärmer wurde und am Straßenrand konnten wir frei umherlaufende Schafherden und vereinzelte kleine Bauernhöfe entdecken.
Als wir im Dorf ankamen, war es zwar erst 10 Uhr morgens, doch es herrschte bereits eine sengende Hitze. All diese kleinen Häuser lagen inmitten von Staub und kahlen Bergen... im Tal hinter dem Dorfplatz waren allerdings auch einige Felder zu sehen. Auf dem Weg zu dem Zuhause der beiden Mädchen kamen wir an zwei Kalkminen vorbei und Guili erzählte uns, dass dort die Mehrheit der Dorfbewohner arbeiten würde, so auch die Väter ihrer beiden kleinen Freundinnen. Wir Deutschen hatten uns auf eine Berg und Klettertour eingestellt, weshalb wir zu unseren Shorts dicke Wanderschuhe an den Füßen trugen und ganz schön überrascht waren, dass die beiden Mädels (ich habe leider ihre Namen vergessen), die wir auf der Straße vor ihrem Haus trafen, nichts weiter als Gummiflipflops an den Füßen trugen. Jetzt ging es also los, die Straße hinunter ins Tal, vorbei an einem riesigen Baum und über einen kleinen Bach, hier war es sogar ziemlich grün und rechts und links erstreckten sich einige Felder, schließlich waren wir am Fuße unseres Berges angelangt. Ziemlich steil und „geroellig“ nach meinem Geschmack und Giuli teilte uns mit, dass sie unten am Fluss auf uns warten wollte, da sie schon einmal dort oben gewesen sei und das genüge. Die beiden Mädels mit ihren „Gummisohlen“ stürmten vorwärts und hüpften den Berg hinauf... uns war am Anfang schon ein bisschen mulmig und da ich ja bekanntlich etwas Höhenangst habe, und wir direkt am Abhang geklettert sind, wo es viele Meter nach unten ging, habe ich auch zunächst keinen Blick nach unten riskiert. Kurz vor Erreichen der Bergspitze lag ein Felsen, auf dem antike Eingravierungen zu erkennen waren (Peru scheint einfach voll von Überresten aus dieser anderen Zeit zu sein) und oben auf der „Bergspitze“ bot sich ein wunderschöner Blick über das Tal von Simbal.
Dort machten wir erst einmal eine kleine Pause, genossen das Freiheitsgefühl und ließen uns von dem Mythos erzählen, dass in ein Bergsee in dieser Gegend Menschen essen würde, wenn man ihm, bevor man sich in ihm badet nicht eine Yuca, Kartoffel oder anderes Obst oder Gemüse mitbringen würde. Kurz davor war ich bei einem anderen peruanischen Freund darauf aufmerksam geworden, dass eine kleine Aloe-Vera Pflanze über der Haustür hing und er mir daraufhin erklärt hatte, diese Pflanze würde böse Geister abwehren. Der Abstieg war dann noch einmal ein kleines Abenteuer und danach haben wir zusammen mit unseren beiden „Bergführerinnen“ im Fluss gebadet und gepicknickt, bevor es dann wieder nach Hause nach Trujillo ging.


Schulterprobleme

In den Wochen vor Weihnachten war unser Terminkalender ganz schön voll und vor allem mit unserem Streichquartett, wo ich aushilfsweise Bratsche spiele, hatten wir zu dieser Zeit viele Auftritte, daneben bin ich auch noch ziemlich oft zur Salsaschule gegangen und habe mich dort zu Salsa und Bachatamelodien verbogen. Das alles hat meinem Rücken wohl nicht so gut getan, denn das anfängliche Ziehen in der Schultergegend, das ich am Anfang lediglich auf das Gewicht der Bratsche geschoben hatte, weitete sich zu immer wieder auftretenden Schmerzen beim Bratschen – und auch Geigespielen aus. Laut Physiotherapeut lag dies wohl an einer Muskelentzündung im Rücken, die sich aber zum Glück während unseres Urlaubs von selbst verabschiedet hat und jetzt wieder alles in Ordnung ist. In dieser Zeit habe ich allerdings nur an den wichtigsten Konzerten teilgenommen und an denen, die ich selbst auf keinen Fall verpassen wollte.


Hochzeit in Chiclayo

Einer von diesen Auftritten war die Hochzeit der Cousine einer unserer Musikschüler,Aldo. Die Hochzeit fand in Chiclayo ca.2 ½ Stunden von Trujillo entfernt statt und deswegen machten sich Aldo, Benjamin, Gabriel (ein anderer deutscher Freiwillige) und ich in den frühen Morgenstunden auf, um den Gottesdienst etwas zu verschönern. Bei Aldos Großeltern wurden wir bei unserer Ankunft herzlich empfangen und zum Frühstück eingeladen, bevor es natürlich wie immer viel zu spät auf zur Kirche ging und wir unser eher kläglichen Auftritt ablieferten. Naja, wir hatten die meisten der Stücke (Hochzeitsmarsch, Air, Pachelbel Kanon etc.) auch nur einen Tag vorher einmal angespielt und selbst Hochzeitsschnulzen benötigen doch einer gewissen Vorbereitung, jedoch fallen die meisten Fehler, den Peruanern nicht auf, da es schon ein Wunder ist, wenn jemand weiß, dass ein Cello so etwas wie eine große Geige ist, was man beim Spielen zwischen den Knien „hält“. Der Gottesdienst an sich war bis auf das Kleid der Braut eher schlicht gehalten und hatte außer einer Ansprache des Bräutigams (und natürlich unserer Musik) auch merkwürdigerweise keine persönliche Note.
Als Dankeschön für unsere Mühen waren Gabriel, Benjamin und ich noch auf der Feier mit Mittagessen eingeladen. Laut Aldo würden eher betuchtere Leute ihre Hochzeit mittags bzw. nachmittags zu feiern, da dies etwas Besonderes sei und die allermeisten Peruaner ihre Hochzeit mit einer Party am Abend feiern würden. Das konnte ich mir ehrlich gesagt nicht wirklich vorstellen.

Die Feier fand etwas außerhalb in einer Art Landhaus in einem sehr schönen Garten in einem Zelt aus weißen und fuchsiafarbenen Tüchern und ansonsten blauen Himmel statt. Als Einstimmung auf den Nachmittag wurde eine Marineravorfuehrung dargeboten, wie man sie hier häufig bei festlichen Anlässen zu sehen bekommt. In diesem Fall war es eine Marinerataenzerin, die wie ueblich Barfuß getanzt hat und beim kunstvollen Trippeln mit den Füßen, welches ein wenig an Flamenco erinnert, und Schwingen ihres Taschentuchs ihr kunstvoll gefertigtes Kleid zeigt. Ihr Partner war in diesem Fall ein schon etwas älterer Herr, der auf seinem Paso-Peruano (eine peruanische Gangpferdeart) mit verschiedenen Bewegungen und Schwenken seines Hutes die Choreografie vervollständigt.
Danach haben sich alle Leute zu ihren Tischen begeben und es wurde schon einmal mit einem Pisco Sour angestoßen. Außerdem gab es reichlich (hier in Peru immer viel zu süßen) Wein und auf jedem Tisch ein Flasche Whisky (jeweils für ca. 6 Personen), obwohl es erst ungefähr drei Uhr nachmittags war. Ob das der Grund dafür war, dass wir im Laufe des Nachmittags wiederholt für unseren „gelungenen“ Auftritt gelobt wurden sei dahingestellt.
Auch wenn ich eine Party im Dunkeln vorziehe hatten wir vier viel Spaß und nutzten die paar Stunden die uns bis unserer Rückfahrt nach Trujillo blieben und haben auch bald angefangen zu tanzen, ganz zur Freude der anderen Hochzeitsgäste und besonders die der etwas älteren Damen, die nicht lange damit gewartet haben unseren blonden Lockenkopf Gabriel aufzufordern.


Renovierungsarbeiten und Türprobleme

Seitdem wir von dem Orchesterprojekt aus Lima zurückgekehrt waren, gab es hier in der Musikschule einige Raum und Türprobleme. Zu dieser Zeit wurde in allen Unterrichtsräumen Parkett verlegt, um den Klang zu verbessern. Diese Arbeiten wurden aus den Begleitmaßnahmen des Weltwaertprogramm finanziert.
Dass die Peruaner, aus unserer deutschen Sicht manchmal organisatorisch unlogisch Entscheidungen treffen, hatten wir ja schon mitbekommen, aber in mehreren Räumen gleichzeitig anzufangen Parkett zu verlegen und nicht einem nach den anderen fertug zu stellen ist in einer Musikschule, in der ständig Raummangel herrscht nun wirklich nicht das Klügste, was man machen kann. Dazu kam, dass von einem Tag auf den anderen plötzlich alle Türen verschwunden waren und bis unserer Rückkehr aus dem Urlaub (also ca. während 2 ½ Monatiger Unterrichtszeit) auch nicht mehr auftauchen sollten. Die Türen sollten gestrichen werden und waren deswegen alle in der Werkstatt, diese Verstärkung des ohnehin schon vielfach sehr hohen Lärmpegels war wirklich kaum auszuhalten, aber man gewöhnt sich bekanntlich an alles.

So sind die Wochen vergangen, wie im Flug und die Ereignisse haben sich aneinander gereiht, alles aufzuzählen was sonst noch so passiert ist würde wohl den Rahmen sprengen, weswegen ich jetzt endlich zu unseren peruanischen Weihnachtskonzerten und dem etwas anderen Weihnachtsfest kommen werde:


Weihnachtskonzerte

Da bei uns in Deutschland Weihnachten, zumindest in den Supermärkten, schon Anfang Oktober beginnt und wir zahlreiche Weihnachtslieder und Bräuche haben um dieses Fest zu feiern, zu denen bei uns auch die jährlich stattfindenden Adventsvorspiele gehören, beschlossen wir Freiwillige unseren peruanischen Schülern etwas von unserem Weihnachtsfest näher zu bringen, mit ihnen Weihnachtslieder und auch andere Stücke vorzubereiten und zum Abschluss des Kalenderjahres in Arpegio ein großes Weihnachtsvorspiel zu veranstalten. Da aber jeder von uns sechs im Durchschnitt ca. 18 Schüler unterrichtet und wir gerne alle Kinder mit einbeziehen wollten, war uns schnell klar, dass ein Termin für dieses Vorspiel nicht ausreichend sein würde.
So beschlossen wir die Weihnachtsvorspiele an den beiden letzten Unterrichtstagen des letzen Jahres, dem 17. Und 18. Dezember stattfinden zu lassen. Zusaetzlich zu unserem ohnehin schon sehr vollem Stundenplan, verschiedenen Präsentationen und einem Orchestervorspiel in Chimbote, waren wir zu dieser Zeit also auch noch fleißig dabei Stücke auszuwählen, unsere Schüler zu motivieren, für jeden den passenden Termin zu finden und zu üben, üben, üben...

Als es endlich soweit war, musste unserer, noch nicht ganz fertig renovierter Orchestersaal, geschmückt und kleine Adventsgeschenke für unsere Schüler vorbereitet werden.
Den ersten Konzerttag begannen wir mit einem spontan einstudierten Auftritt unserer beider „Kinderensemble“ und der „Freiwilligenband“. Ueber meine Kinderensemble hatte ich bereits in einer der vergangenen Berichte etwas erzählt. Das sind zwei Gruppen, die sich überwiegend aus Geigenanfängern zwischen 6 und 8 Jahren zusammensetzen und von Birte und mir gemeinsam geleitet werden. Mit beiden Ensemble hatten wir im Vorfeld das gleiche Stück einstudiert, den „Böhmischen Tanz“, den wir zum verbildlichen des musikalischen Genres und den Schwerpunkten in der Melodie auch mit einem kleinen Tanz erarbeitet hatten. Um unsere verschiedenen Spiele, den Tanz und auch das Vorspiel auf der Geige zu verbinden, hatten wir uns überlegt als Hintergrundmusik die anderen Freiwilligen anzuheuern. Da fast alle von uns hier ein neues Instrument angefangen haben, war schnell klar, wie die Besetzung unserer „Band“ aussehen würde. Rahel (eigentlich Klavier-und Cellolehrerin) spielte Klarinette, Gabriel (Geige und Klavier), das Saxophon, Valeria (ein weiteres Cello Wink) hat ihre, sich autodidaktisch für die Schüler erworbene Kontrabasskenntnisse, zum Besten gegeben und Isabel hat kurzfristig einen Rhythmus auf der Cajón, ein peruanisches Schlaginstrument gelernt. D
as ganze haben wir dann eine Stunde vor dem Vorspiel bei der ersten und einzigen gemeinsamen Probe zusammengeführt und es hat bei dem anschließenden „richtigen“ Auftritt auch ganz gut geklappt. Wer es sich den Auftritt anschauen möchte kann hier mal vorbeischauen:

http://www.youtube.com/watch?v=8K69DtMR5lk


Für uns waren die Weihnachtsvorspiele mit den meisten unserer Schüler die erste Feuerprobe, weshalb wir allesamt auch ziemlich nervös waren, ob denn alles so klappen würde, wie wir es einstudiert hatten. Ob die Kinde bei kleinen Fehlern denn auch hoffentlich weiterspielen und nicht einfach abbrechen, ob sie mit sich selbst zufrieden sein würden und bei mancher kleiner Kammermusik, wie einem Schülerduo und Quartetten, ob sie einfach nur zusammen bis ans Ende des Stückes gelangen würden. Ich fand es sehr spannend, das Ganze einmal aus der Perspektive der „Lehrerin“ mitzuerleben und denen, die mich kennen, kann ich sagen, dass ich nicht minder aufgeregt war als meine Schüler und als ich es selbst früher immer gewesen war. Am Ende waren jedoch alle zufrieden und gluecklich und wir unglaublich stolz auf unsere Schueler.


Dia de Integracion

Parallel zu unseren Planungen der Weihnachtsvorspiele hat unsere Administration und das Buero den „Dia de Integracion“ vorbereitet, ein Tag zu dem alle Schüler und dazugehörigen Familien von Arpegio eingeladen wurden. Dieser Spiel und Spaßtag sollte dem Zusammenhalt und auch noch einmal zur Feier des Jahresabschlusses des Musikunterrichts dienen.
Wir Freiwilligen haben dazu die Ideen und Vorbereitungen für den Spielemarathon beigetragen, wie viel Spaß wir dabei hatten kann man hier anschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=fKMXXRPo9ro


Ein etwas anderes Weihnachten

Ja, und dann war es plötzlich vorbei, keine Schüler mehr, keine Veronika, unsere Sekretärin die uns jeden Tag mit ihrem Singsang uns zum Unterricht ruft und uns Schüler in die Unterrichtsraume schiebt. Keine Giulianna, die ständig alles organisiert, an ihrem Computer Plakate und Konzertprogramme entwirft und kaum ein Tag entgeht, wo sie kein Foto von unseren Schülern und den Projekten schießt. Selbst Rahel und Valeria waren am selben Abend der Integracion schon abgereist um die Ferien richtig auszunutzen und sich auf große Reise in den Süden zu begeben.
Das war schon ziemlich merkwürdig, wir Gabriel, Birte und ich und die ganze Stille. Doch diese Stille sollte nicht lange weilen, denn am 23. Dezember kam morgens meine Freundin Ana aus der Dominikanischen Republik an, womit wieder „la Bulla“ (dominikanisch: Lärm) in unserer Musikschule Einzug nahm.

Fast hatte ich die dominikanische Fröhlichkeit und das Temperament schon wieder vergessen, denn das ist doch noch etwas anderes als das peruanische Gemüt!
Da wir im Vorfeld kaum Zeit hatten, etwas für unsere persönliche Weihnachtsfeier vorzubereiten, wurden direkt am Nachmittag zusammen mit Lady, einer peruanischen Freundin, echte deutsche Weihnachtsplätzchen gebacken und unser Heiligabend geplant. Zum Essen sollte es Lasagne, und als Nachtisch Pudding mit Erdbeeren geben, so viel stand fest, der Rest würde sich ergeben.
Am Abend des 24. Dezembers gesellte sich noch Edwin, unser panamaischer Fagottist dazu, da er Weihnachten auch nicht zu seiner Familie nach Hause fliegen würde. Wir hatten uns alle schick gemacht und wollten eigentlich um neun zur Messe in die Kathedrale auf dem Plaza de Armas gehen. Leider ist unsere Planung nicht ganz aufgegangen, denn als wir auf dem Plaza ankamen, waren noch keine Anzeichen vom Gottesdienst zu spüren und niemand konnte uns sagen, um wie viel Uhr dieser beginnen sollten. Deshalb flanierten wir ein bisschen über die Plaza, die über und über mit den kitschigsten Plastikweihnachtsbäumen und Lichtern geschmückt war und es an jeder Ecke ein Weihnachtsmann gab, der jeweils vor dem Logo eines anderen trujillanischem Unternehmen saß und mit dem man ein Foto schießen konnte, außerdem gab es noch Popcorn, Seifenblasen und Lichtstabverkaeufer und dazwischen lauter Peruaner in Alltagsklamotten, die sich nicht anmerken ließen dass Weihnachten war, es wirkte eher wie Jahrmarkt.
Trotzdem vertrieben wir uns ein bisschen die Zeit und lauschten den Klängen einer peruanischen Folklore-Gruppe, was dann ja doch wieder an einen unserer deutschen Weihnachtsmaerkte erinnern ließ Wink Schließlich mussten wir bis Mitternacht warten, da um diese Zeit hier traditionell das Weihnachtsessen gegessen wird.

Zu Hause angekommen, schoben wir zusammen die Lasagne in den Ofen, tranken den von Ana und Edwin zubereiteten „Ponche“ einen Art dominikanischen Eierlikör, der mit Muskat, Zimt und Kondensmilch zubereitet wird. Das abschließende Essen, der Pisco Sour, und „Dominicano libre“ war super lecker und als dann noch Benjamin (ein Schüler, den ich in einem der älteren Berichte schon einmal erwähnt hatte) vorbeikam um sich den Bauch vollzuschlagen, wurde es dann bei verschiedenen Spielen und Musik noch richtig lustig.

Zugegeben ein etwas anderes Weihnachten... in Deutschland braucht man diese Feier in der dunklen Jahreszeit, für mich ist es auch vor allem ein Lichterfest, wohl einfach viel mehr als hier im sommerlichen Peru. Trotzdem hat mich gewundert, dass es hier im Vergleich zur dominikanischen Republik so wenig gefeiert wird!

Jetzt ist es ja auch schon Mitte Februar und ich habe immer noch nicht von meiner Reise berichtet. Mittlerweile sind wir 10 Freiwillige, weshalb ich hoffentlich nach meinem Zwischenseminar etwas mehr Zeit haben werde um mit meinen Lieben und Deutschland zu kommunizieren.

Alles Liebe
eure Freya

 

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Kaori und das Weihnachtslicht
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Los Cellos beim Weihnachtsvorspiel
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Juan Carlos und Andres - zwei meiner Schueler
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Republica Dominicana Alemania Peru
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Edwin und Ana auf der Plaza de Armas
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Weihnachten in unserer Kueche
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Benjamin
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Kommentare zu diesem Eintrag

Freya

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Timm

Hey Freya!
Na endlich schreibst du mal wieder Wink
Klingt total spannend was du alles erlebt hast, obwohl bestimmt auch ne Menge Stress dabei war. Ich freu mich auch schon so auf mein Jahr, ich bin mit weltwärts als Chemielehrer 2010/11 in Malawi/Südafrika Smile

Profil


Aktueller Standort:
Peru Peru, Trujillo

Heute:

22°/31°

Morgen:

23°/32°

Meine Reisestatus:
Ich komme in 154 Tagen zurück
Meine heutige Reise:
Orquesta de barro
(2009)
Meine anderen Reisen:
My first travel (2006)
Meine besuchten Länder:
Peru

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